Diskussion um überzogene Sicherheitskonzepte schadet Europas Volksfesten
ESU-Präsidiumssitzung berät in London aktuelle Themen
In der britischen Hauptstadt London traf sich am 28. September 2011 das Präsidium der Europäischen Schausteller-Union zu einer Arbeitssitzung. Auf der Tagesordnung standen aktuelle Themen des Berufsstandes sowie ein Austausch über die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung der Volksfeste in Europa.
Die Probleme der irischen Schaustellerkollegen bei der staatlichen Anerkennung ihrer Fahrzeuge als Schaustellertransporte standen im Mittelpunkt der Präsidiumssitzung. Nach wie vor sind in Irland nur original Mittelbauwagen, jedoch keine normalen Anhänger und Zugmaschinen, als Schaustellertransporte anerkannt. Dies hatte in der Vergangenheit immer wieder zu Schwierigkeiten mit den Behörden, zum Beispiel bei Verkehrskontrollen, geführt. Das Präsidium wird die Hilfe für die irischen Kollegen intensivieren und seine Kontakte zu den zuständigen EU-Stellen in Brüssel und Straßburg nutzen, um eine schnellstmögliche Lösung zu erzielen.
Mit Besorgnis registriert die Europäische Schausteller-Union, dass nach der Loveparade-Katastrophe von Duisburg inzwischen auch in den deutschen Nachbarländern überzogene Sicherheitsvorkehrungen für Volksfeste diskutiert werden. Diese Diskussion, so war man sich im Präsidium einig, sei kontraproduktiv und schade dem europäischen Schaustellergewerbe. Die neuen, überhöhten und unverhältnismäßigen Sicherheitsanforderungen gingen weit über die bereits üblichen und bewährten Anforderungen für die Volksfeste hinaus.

Das ESU-Präsidium mit Vizepräsident Frank Delforge, stellv. Generalsekretär Steve Severeyns,
Präsident Albert Ritter und Vizepräsidentin Nicole Vermolen (v.l.).
Kulturelle Anerkennung der europäischen Volksfeste
Die Ankündigung der deutschen Bundesregierung, die Ratifizierung der UNESCO Konvention zum immateriellen Kulturerbe voranzutreiben ist vom ESU-Präsidium mit großer Freude aufgenommen worden. ESU-Präsident Ritter berichtete über ein Gespräch, das er Anfang September in Berlin auf Einladung der regierungsbildenden Parteien im Deutschen Bundestag geführte hatte. Dabei seien sich die Beteiligten darüber einig gewesen, dass nicht nur historische Bauwerke, sondern auch die gelebten regionalen Feste in Deutschland ein bedeutendes und schützenswertes Kulturgut seien. Die Ankündigung aus Berlin sei beispielhaft und ein wichtiges Signal für die europäischen Nachbarstaaten, die Volksfeste in ihren Ländern langfristig als immaterielles Kulturgut zu schützen.
Weiterhin informierte Albert Ritter das Präsidium über die erfolgreichen Flüssiggasschulungen in Oberhausen und Crange. Das kostenlose Seminar wird vom Deutschen Schaustellerbund in Zusammenarbeit mit der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe angeboten. Es vermittelt den Teilnehmern grundlegendes Fachwissen zum sicheren Betreiben von Flüssiggas-Flaschenanlagen, zu Flüssiggasanlagen in Fahrzeugen und zur Beförderung von Flüssiggasflaschen. Das große Interesse an dem Schulungsangebot hätte den Vertretern der Berufsgenossenschaft und der Feuerwehr eindrucksvoll bewiesen, dass das Thema Sicherheit für die Schausteller von höchster Bedeutung sei, betonte Ritter.
Im Anschluss an die Sitzung stand ein Besucht der Fachmesse Euro Attractions Show (EAS) auf dem Programm. Dabei hatte das Präsidium ausreichend Gelegenheit zu interessanten Gesprächen mit Ausstellern und Verbandsvertretern.

Blick in die Ausstellungshallen der EAS in London.
