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„Die Kirmes in Europa ist ein Alleinstellungsmerkmal“
Interview mit ESU-Generalsekretär Steve Severeyns

 

Steve Severeyns ist seit fünf Jahren Generalsekretär der Europäischen Schausteller-Union und damit ein wichtiger Ansprechpartner für die Kolleginnen und Kollegen in den nationalen Verbänden. Wir sprachen mit Steve Severeyns über die Bilanz der Volksfestsaison 2017 in seinem Heimatland Belgien und die zukünftigen Aufgaben, Ziele und Herausforderungen der ESU.
Wie war der Verlauf der Kirmessaison 2017 in Belgien?
Steve Severeyns: Mit den Umsätzen und Besucherzahlen im Frühling und Sommer waren wir sehr zufrieden. Ab September waren die Plätze nicht mehr so gut besucht. Am Ende der Saison rechnen wir mit einem wirtschaftlichen Ergebnis wie im letzten Jahr.
Welche Themen beschäftigen die belgischen Schausteller aktuell?
Steve Severeyns: Auf politischer Ebene konzentrieren wir uns bereits auf die Kommunalwahlen im Oktober 2018. Dann wird in Belgien u.a. über die Posten der Bürgermeister, Provinzial- und Gemeinderäte entschieden. Hier sind wir bereits im eigenen „Wahlkampf“, um die Rahmenbedingungen und die Zukunft der Kirmessen in Belgien weiter zu verbessern. Wahlen sind ein wichtiger Anlass. um auf die Bedeutung und Existenzsicherung der Kirmessen aufmerksam zu machen.
Ein anderer Arbeitsschwerpunkt ist die kulturelle Anerkennung der Volksfeste. Die Brisanz dieser Forderung der Europäischen Schausteller-Union zeigt sich aktuell bei den Sicherheitsdiskussionen in Verbindung mit den Anschlägen der vergangen Monate. Es kann nicht sein, dass die Schausteller allein für die ergänzenden Sicherheitsmaßnahmen auf den Plätzen zahlen müssen. Das Alleinstellungsmerkmal Kirmes in Europa zeichnet sich auch durch seine Jahrhunderte alte Tradition aus, die von der Gesellschaft getragen und gepflegt wird. Kirmes ist eine Angelegenheit der Gemeinschaft. Unsere Tradition darf nicht durch Terror bedroht werden.
In Kürze beginnt die Weihnachtsmarktsaison. Welche wirtschaftliche Bedeutung haben die Weihnachtsmärkte für die Städte und das Schaustellergewerbe in Belgien und Europa?
Steve Severeyns:
Für Belgien und die europäischen Nachbarländer werden die Weihnachtsmärkte immer wichtiger. In immer mehr Städten und Gemeinden entstehen neue Veranstaltungen. Es ist interessant zu beobachten, dass sich hier bereits in Belgien eine Tradition entwickelt. Für die Schausteller ist das natürlich eine positive und gute Entwicklung, auch wirtschaftlich. Wir verfügen als Volksfestprofis über das Know-how und die langjährige Erfahrung. Und das haben die Städte und Gemeinden in Belgien erkannt; dass nämlich die beliebtesten Weihnachtsmärkte von den Schaustellern organisiert werden. Natürlich gibt es immer Verbesserungen, zum Beispiel hinsichtlich von Bewerbungsverfahren und einheitlichen Regelungen und Richtlinien, aber wir sind auf einem guten Weg.

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Die Meifoor ist eines der ältesten Volksfeste in Belgien.
Foto: Michiel Dumon

Kommen wir zur Arbeit der Europäischen Schausteller-Union. Was sind die Themen für die Zukunft?
Steve Severeyns:
Zunächst einmal freuen wir uns auf den großen internationalen ESU-Kongress im Januar 2018. In Amsterdam stehen wichtige Diskussionen und Verbandsentscheidungen, zum Beispiel bei der Neuwahl des Präsidiums, auf dem Programm.
Ein Themenschwerpunkt wird im nächsten Jahr die Forderung der ESU nach einer Harmonisierung der Verkehrsvorschriften sein, denn es reisen immer mehr Schaustellerkollegen international mit ihren Geschäften. Ob Tachografenbefreiung oder Weiterbildungsmaßnahmen für Berufskraftfahrer, es gilt die europäischen und nationalen Richtlinien zu harmonisieren. Weiterhin werden wir uns in der ESU, wie bereits angesprochen, dafür einsetzen, dass die Volksfeste in Europa endlich ihre verdiente Anerkennung als immaterielles Kulturgut erhalten. 

Nach Plänen der EU-Kommission sollen zukünftig Bargeld-Zahlungen in Europa Schritt für Schritt eingeschränkt werden.
Steve Severeyns:
Bargeld ist Freiheit. Wie in vielen europäischen Ländern gibt es auch in Belgien eine Bargeld-Kultur. Nehmen wir das Beispiel Kirmesgeld: Die Kinder sparen traditionell das Jahr über für den Besuch ihrer Kirmes. Zum Geburtstag gibt es von den Großeltern, Tanten und Onkeln ein paar Münzen für das Portemonnaie. Damit können die Kinder sich selbst Zuckerwatte, Mandeln oder die Fahrkarte fürs Karussell kaufen. Das hat viel mit Selbständigkeit zu tun. Die Kinder lernen, mit Bargeld umzugehen, den Wert des Geldes zu respektieren. Es ist ein wichtiger pädagogischer Aspekt.

Steve Severeyns, wir danken Ihnen für das Gespräch.

ESU
ESU-general-sekretär Steve Severeyns

Zur Person

Steve Severeyns, geboren am 28.1.1983 in Hasselt, stammt aus einer alten belgischen Schaustellerfamilie. Er ist mit der Schaustellerin Debbie Dupont verheiratet. Die beiden haben eine Tochter. Seit seinem 20. Lebensjahr engagiert sich Steve Severeyns in der europäischen Verbandsarbeit: 2003 bis 2012 Präsident der Europäischen Schausteller Jugend-Union, 2006 bis 2012 stellvertretender ESU-Generalsekretär, seit 2012 Generalsekretär. Seit 2004 ist Steve Severeyns aktiv im belgischen Schaustellerverband La Défense des Forains Belges tätig und übt dort seit 2009 das Amt des stellvertretenden Generalsekretärs aus