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Volksfeste prägen
Europas Kulturhauptstadtjahr Ruhr.2010
Cranger Kirmes und Sim-Jü präsentieren sich erfolgreich als Local Heroes

Das Kulturhauptstadtjahr 2010 ist zu Ende. Veranstalter, Städte und Gemeinden ziehen eine mehr als positive Bilanz. Auch für Albert Ritter, Präsident der Europäischen Schausteller-Union und „Kind des Ruhrgebietes“, hat die Ruhr.2010 „alle Erwartungen übertroffen und das europäische Kulturgut Volksfest gefördert“. Jede Stadt habe ihre Identität stärken können, insbesondere in den Local Heroes-Wochen, erklärte Ritter in einem Komet-Gespräch.
Bei „Local Heroes“ war jede Stadt der Metropole Ruhr jeweils eine Woche lang mit ihren kulturellen Aktionen Mittelpunkt der Kulturhauptstadt Europas. Mit der Cranger Kirmes (Herne) und der Sim-Jü (Werne) präsentierten sich zwei der traditionsreichsten Volksfeste des Ruhrgebietes als „Lokale Helden“.

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Eröffnung der Sim-Jü in Werne. Foto: Rainer Schulz
Cranger Kirmes 2010: Zwischen Tradition und Moderne
Eröffnet wurde die 575. Cranger Kirmes traditionell am ersten Freitag im August mit dem Fassanstich im Bayernzelt und dem Abfeuern von elf Böllerschüssen. Zur Eröffnung und zum Abschluss erhellten zwei farbenfrohe Feuerwerke den Himmel über Crange und brachten selbst langjährige „Kirmesveteranen“ zum Staunen.
Die Flussfähre „Reservist" brachte Kirmesbesucher vom Cranger Kirmesplatz zur benachbarten Künstlerzeche „Unser Fritz“, wo eine historische Kirmesausstellung vor und in der Zeche wunderbare Kirmesattraktionen zeigte. Exponate wie ein 13 Meter großes Riesenrad, ein Kinder-Hängekarussell oder eine historische Kirmesorgel versprühten Nostalgie pur. Neben den urigen Karussells wurden wertvolle Erinnerungsstücke aus der Kirmesgeschichte gezeigt. Alte Dokumente, historische Plakate und Fotografien und viele weitere interessante Objekte, vom Stadtarchiv Herne zusammengestellt, dokumentierten das bunte Jahrmarkttreiben früherer Tage.
Ein dickes Lob gab es von den Geschäftsführern der Ruhr.2010 GmbH, Fritz Pleitgen und Dr. Oliver Scheytt, die gemeinsam mit Präsident Albert Ritter und Vertretern der Stadt Herne die Cranger Kirmes und die historische Ausstellung besuchten. „Wir sind froh, dass die Cranger Kirmes in unserem Programm enthalten ist", erklärte Fritz Pleitgen. „Wir wollten uns das nicht entgehen lassen und sind tief beeindruckt von der großen Leistung der Stadt Herne und der Schausteller." Pleitgen versprach: „Ich bin nächstes Jahr wieder da, mit meiner Familie." Bereits zum Kirmesauftakt hatte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft eine Lanze für die Volksfeste gebrochen und Crange als „Kirmes mit Herz, ein tiefes Stück Kultur im Ruhrgebiet" gelobt.
 

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NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (Bildmitte) und Präsident Albert Ritter (2. von links) gbeim Eröffnungsrundgang der Cranger Kirmes 2010. Foto: Kirsten Weber, Stadt Herne

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Historische Kirmesausstellung in Herne: (von links) RUHR.2010-Geschäftsführer
Dr. Oliver Scheytt und Fritz Pleitgen, Präsident Albert Ritter, Sozialdezernent Meinolf Nowak.
Foto: Kirsten weber, Stadt Herne

Schaustellerfrauen-Power auf der Sim-Jü

Sim-Jü ist die volkstümliche Bezeichnung für den fast 650 Jahre alten Simon-Juda-Markt. Die Kirmes ist ein wichtiges Stück Tradition und kultureller Bestandteil der alten Hansestadt Werne. Sie gilt heute nicht nur als ältester noch existierender Freimarkt des Münsterlandes, sondern auch als das größte und bedeutendste Volksfest an der Lippe.
Kein Wunder also, dass Sim-Jü im Jahr 2010 fest eingebunden war in das Local Heroes-Programm der Stadt. Mit der Ausstellung „Sim-Jü-Frauen – Frauenpower hinter den Kulissen der Sim-Jü-Kirmes“ wurde den Besuchern ein besonderes Highlight geboten. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Werne, Martina Eden-Hetberg, hatte sich gemeinsam mit einer Fotografin im Jahr 2009 auf den Weg hinter die Kulissen von Sim-Jü gemacht und „spannende, starke Frauen mit interessanten Geschichten“ gefunden. Die Fotografin setzte die Schaustellerfrauen ins rechte Licht, Eden-Hetberg kümmerte sich um die Geschichte dahinter.
Die 18 Frauen gaben anhand eines Fragebogens bereitwillig Auskunft über ihre schulische Bildung, die Stationen im Schaustellergewerbe, einen typischen Kirmes-Tag, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und das Besondere an Sim-Jü. Die Fotos wurden auf Leinwand gezogen, die dazugehörigen Fragebögen graphisch aufbereitet und zu den Bildern gehängt. Den Kirmesbesuchern gewährte die Ausstellung einen imposanten Einblick in die Welt der Volksfeste und des Schaustellerlebens.

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Plakat zur Ausstellung "Sim-Jü-Frauen - Frauenpower hinter den Kulissen der Sim-Jü-Kirmes".
Foto: Rainer Schulz